FAQ: Ernährung und Lifestyle bei Glaukom (grüner Star) oder erhöhtem Augendruck
Immer wieder sprechen uns betroffene Patientinnen oder Kunden mit erhöhtem Augendruck oder Glaukom darauf an, wie sie selber die Situation positiv beeinflussen können.
Nachfolgend finden Sie Antworten auf die häufigsten Fragen. Für individuelle, spezifische oder weiterführende Fragen ist die behandelnde Augenärztin die beste Ansprechperson. Und falls Sie lieber ein Video zum Thema schauen, empfehlen wir folgendes:
1. Kann Ernährung ein Glaukom heilen oder Augentropfen ersetzen?
Nein. Ernährung, Lebensstil und Nahrungsergänzungsmittel können die Behandlung bei erhöhtem Augeninnendruck oder Glaukom nur unterstützen, aber nicht die ärztliche Behandlung ersetzen.1, 2 Brechen Sie eine verordnete Behandlung niemals eigenständig ab, nur weil Sie Ihre Ernährung umgestellt haben.2
2. Welche Ernährung wird bei Glaukom und erhöhtem Augendruck empfohlen?
Empfohlen wird eine mediterrane, pflanzenbetonte Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Olivenöl und regelmässig Fisch.3, 4 Besonders wichtig sind grüne Blattgemüse (z.B. Spinat, Federkohl, Nüsslisalat), buntes Gemüse und Beeren, da sie reich an antioxidativen Vitaminen (A, C, E), Carotinoiden (z.B. Lutein, Zeaxanthin) und weiteren Schutzstoffen sind.3, 5 Diese Nährstoffe helfen, oxidativen Stress und Entzündungsprozesse zu reduzieren, die beim Glaukom im Bereich des Sehnervenkopfes und des Kammerwinkels eine Rolle spielen können.3, 5
Günstig sind ausserdem Omega‑3‑Fettsäuren aus fettreichem Seefisch (Lachs, Makrele, Sardinen) und hochwertigen Pflanzenölen, weil sie entzündungshemmend wirken und die Gefässfunktion unterstützen.3, 4 Stark verarbeitete Lebensmittel, viel Zucker, Weissmehlprodukte, Fast-Food und sehr salzige Speisen sollten eingeschränkt werden, da sie Herz‑Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht und Stoffwechselstörungen fördern – alles Faktoren, die mit einem ungünstigeren Verlauf des Grünen Stars in Verbindung gebracht werden.3, 6, 4
Auch polyphenolreiche Genussmittel können ergänzend eine Rolle spielen: In Fachartikeln werden dunkle Schokolade, Grüntee und in moderaten Mengen Rotwein als Quellen von Flavonoiden und anderen Antioxidantien genannt, die Gefässe und Nervenzellen schützen und oxidativen Stress senken können.3, 7, 8 Diese Effekte gelten als unterstützend, ersetzen aber keine drucksenkende Therapie.3, 4
3. Gibt es „gute“ und „schlechte“ Lebensmittel bei erhöhtem Augendruck / Glaukom, und welche Rolle spielen Antioxidantien und Ginkgo?
Wie vorhin kurz erläutert sind „gute“ Lebensmittel natürliche, wenig verarbeitete Nahrungsmittel mit hoher Nährstoffdichte und vielen Antioxidantien: viel Gemüse, Obst und Beeren, Nüsse und Samen, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, fettreicher Fisch sowie hochwertige Pflanzenöle.3, 6, 5 Diese Kombination liefert Vitamine, Carotinoide, Spurenelemente und Polyphenole, die gemeinsam einen antioxidativen „Schutzschirm“ bilden und Netzhaut, Gefässe und Sehnerv langfristig unterstützen können.3, 5 „Weniger günstig“ sind stark verarbeitete Produkte, Fast-Food, Snacks mit viel Zucker und Weissmehl sowie sehr salzige Speisen, da sie systemische Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes und Übergewicht fördern.3, 6, 4
Antioxidantien in dunkel gefärbten Lebensmitteln sind besonders interessant: Grüntee enthält Catechine (z.B. EGCG), dunkle Schokolade Flavanole und Rotwein Polyphenole wie Resveratrol, denen gefässschützende und neuroprotektive Effekte zugeschrieben werden.3, 7, 8 Untersuchungen deuten darauf hin, dass solche Stoffe die Mikrozirkulation verbessern und oxidativen Stress reduzieren können, was für empfindliche Strukturen wie die retinalen Ganglienzellen und den Sehnerv von Bedeutung ist.3, 7, 8 Wichtig ist dabei der Rahmen: Grüntee, dunkle Schokolade und ein Glas Rotwein fügen sich gut in eine gesunde Ernährung ein.4, 8
Ginkgo biloba nimmt eine Sonderrolle ein. Standardisierte Ginkgo‑Extrakte zeigen in Studien eine Verbesserung der Mikrozirkulation und Sauerstoffversorgung sowie ausgeprägte antioxidative Eigenschaften.5, 9, 10 Bei einigen Glaukompatienten, insbesondere mit Normaldruckglaukom, wurden Verbesserungen einzelner Sehfunktionen und Hinweise auf eine bessere Durchblutung des Sehnervs beschrieben.7, 9 Die Datenlage ist jedoch nicht einheitlich: Ginkgo kann als möglicher Zusatzbaustein gesehen werden, ersetzt aber weder die Senkung des Augeninnendrucks noch eine konsequente Standardtherapie.9, 10 Viele Präparate bewegen sich im Bereich üblicher Tagesdosen, höhere Dosierungen sollten nur nach Rücksprache mit Ärztinnen oder Ärzten gewählt werden, vor allem bei gleichzeitiger Einnahme von Blutverdünnern.9, 10
4. Welche Rolle spielen Kaffee, Tee und Alkohol?
Moderater Kaffeekonsum kann den Augeninnendruck kurzfristig leicht erhöhen, die klinische Bedeutung ist bei üblichen Mengen aber vermutlich gering; 1–3 Tassen pro Tag gelten meist als unproblematisch.1, 8 Grüntee liefert zusätzlich Antioxidantien und kann im Rahmen einer insgesamt ausgewogenen Ernährung sinnvoll sein.3, 8 Alkohol sollte insgesamt zurückhaltend konsumiert werden: Während geringe Mengen Rotwein polyphenolbedingte Vorteile haben können, überwiegen bei höherem Konsum die Risiken für Blutdruck, Schlaf und Allgemeingesundheit.4, 8
5. Hilft Sport bei erhöhtem Augendruck oder Glaukom?
Regelmässige aerobe Bewegung wie zügiges Gehen, Velofahren oder Schwimmen kann den Augeninnendruck vorübergehend senken und ist mit einem günstigeren Verlauf bei Glaukompatienten assoziiert.1, 6 Empfohlen werden etwa 30 Minuten moderate Bewegung an den meisten Tagen der Woche, angepasst an Ihre körperliche Situation.1 Vermeiden sollten Sie sehr schwere Kraftübungen mit Pressatmung sowie längere Kopf-tief-Positionen (z.B. bestimmte Yoga-Haltungen), da sie den Augeninnendruck kurzfristig deutlich erhöhen können.1, 8
6. Sind Nahrungsergänzungsmittel bei Glaukom sinnvoll?
Diskutiert werden insbesondere Omega‑3‑Fettsäuren, B‑Vitamine (z.B. Nicotinamid), antioxidative Vitamine (A, C, E), Zink, Selen sowie pflanzliche Polyphenole und Ginkgo‑Extrakte.3, 11, 9 Studien deuten auf mögliche neuroprotektive Effekte hin, die Datenlage ist aber nicht einheitlich; Nahrungsergänzungsmittel können die Standardtherapie nur ergänzen, nicht ersetzen.3, 11, 9 Viele Präparate liegen im Bereich üblicher Tagesdosen (z.B. einige hundert Milligramm Omega‑3 oder Nicotinamid pro Tag), höhere Dosierungen sollten nur nach fachlicher Beratung eingenommen werden.11, 9 Eigenmedikation in hohen Dosen kann Nebenwirkungen und Wechselwirkungen verursachen, insbesondere bei bestehenden Erkrankungen oder gleichzeitiger Medikamenteneinnahme.11, 2
7. Welche Rolle spielen weitere Lebensstilfaktoren?
Rauchstopp, Gewichtsnormalisierung, gute Blutdruckeinstellung und ein stabiler Schlaf‑Wach‑Rhythmus sind zentrale Bausteine eines glaukombewussten Lebensstils.1, 6 Besonders bei Schlafapnoe wird eine konsequente Behandlung empfohlen, da Schwankungen von Sauerstoffsättigung und Blutdruck den Verlauf eines Glaukoms negativ beeinflussen können.3 Auch Stressmanagement (z.B. Entspannungsübungen, Atemtechniken) ist sinnvoll, weil chronischer Stress Blutdruck, Schlaf und Essverhalten ungünstig beeinflussen kann.6, 8
Quellenverzeichnis
Perez CI, Singh K, Lin S. Relationship of Lifestyle, Exercise, and Nutrition With Glaucoma. Curr Opin Ophthalmol. 2019 (PubMed).
Stein JD, Khawaja AP, Weizer JS. Glaucoma in Adults – Screening, Diagnosis, and Management: A Review. JAMA. 2021 (JAMA Network).
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Ramdas WD. The Relation Between Dietary Intake and Glaucoma: A Systematic Review. Acta Ophthalmol. 2018 (PubMed).
Chaudhry S, Dunn H, Carnt N, White A. Nutritional Supplementation in the Prevention and Treatment of Glaucoma. Surv Ophthalmol. 2021 (PubMed).
Kumar A, Ou Y. From Bench to Behaviour: The Role of Lifestyle Factors on Intraocular Pressure, Neuroprotection, and Disease Progression in Glaucoma. Clin Exp Ophthalmol. 2023 (PubMed).
Rosenfluh Publikationen. Ophthalmologie: Wie Ernährung die Progression von Augenerkrankungen bremst. ars medici. 2024 (Rosenfluh.ch).
Erb C. Ernährung und Umweltfaktoren beim Glaukom. Video-Interview (Eyefox).
Übersichtsartikel zu Ginkgo biloba, Mikronährstoffen und Glaukom (eykaer.com Magazin).
Loskutova E, O’Brien C, Loskutov I, Loughman J. Nutritional Supplementation in the Treatment of Glaucoma: A Systematic Review. Surv Ophthalmol. 2018 (PubMed).
Weitere Übersichtsarbeiten zu Omega‑3‑Fettsäuren, B‑Vitaminen und antioxidativen Vitaminen bei Glaukom (PDF, Rosenfluh ars medici).
